Emotional Support Dog – fachliche Einordnung & ehrliche Beratung

Einleitung

Der Begriff Emotional Support Dog (ESD) wird in Deutschland zunehmend verwendet – häufig in der Hoffnung auf rechtliche Erleichterungen, Zutrittsrechte oder eine vereinfachte Anerkennung des Hundes im Alltag.

Tatsächlich ist der Emotional Support Dog kein gesetzlich geregelter Assistenzhund, besitzt keinen Sonderstatus und unterliegt keiner anerkannten Ausbildung oder Prüfung.

Als Fachstelle für Assistenz- und Therapiebegleithunde legen wir großen Wert auf eine sachliche Einordnung, transparente Beratung und den Schutz von Mensch und Hund vor falschen Erwartungen.

Was ist ein Emotional Support Dog?

Ein Emotional Support Dog ist ein Hund, dessen Anwesenheit seinem Halter emotionalen Halt geben kann.
Diese Wirkung entsteht nicht durch eine spezielle Ausbildung, sondern durch die Beziehung zwischen Mensch und Hund.

Damit unterscheidet sich ein Emotional Support Dog grundlegend von:

  • gesetzlich geregelten Assistenzhunden
  • ausgebildeten Therapiebegleithunden
  • medizinischen oder therapeutischen Maßnahmen

Ein Emotional Support Dog ersetzt keine Therapie, keine medizinische Behandlung und keine psychosoziale Unterstützung.

Was ein Emotional Support Dog nicht ist

Ein Emotional Support Dog ist:

  • kein Assistenzhund im Sinne der Assistenzhundeverordnung
  • kein Hilfsmittel mit rechtlichem Anspruch
  • kein Hund mit Zutrittsrechten zu öffentlichen Einrichtungen
  • kein automatisch anerkannter Begleiter im Arbeits- oder Mietverhältnis

Bescheinigungen oder Atteste ändern daran nichts.

Warum eine „ESD-Ausbildung“ fachlich nicht korrekt ist

Der Begriff „Ausbildung zum Emotional Support Dog“ ist in Deutschland fachlich nicht eindeutig definiert und rechtlich nicht geschützt.

Eine Ausbildung setzt in der Regel voraus, dass:

  • eine klare Zielstellung existiert
  • definierte Anforderungen erfüllt werden müssen
  • eine überprüfbare Abschlussprüfung vorgesehen ist
  • ein klar benennbares Ergebnis erreicht wird
  • All dies ist beim Emotional Support Dog nicht gegeben.

Ein Emotional Support Dog erbringt keine klar umrissenen Assistenzleistungen, besitzt keinen gesetzlich definierten Aufgabenbereich und unterliegt keiner staatlich anerkannten Qualifikation.

Damit fehlt die fachliche Grundlage für eine Ausbildung im klassischen Sinn.

Unser Ansatz: Fachlich qualifizierte Begleitung von Mensch-Hund-Teams

Die Begleitung von Mensch-Hund-Teams im Kontext psychischer Erkrankungen erfordert mehr als klassisches Hundetraining.

Sie setzt voraus:

  • vertiefte Kenntnisse zu psychischen Erkrankungen
  • Verständnis für Belastungsdynamiken, Überforderung und Rückzug
  • Sensibilität für Übertragungsprozesse zwischen Mensch und Hund
  • die Fähigkeit, Trainingsziele immer wieder kritisch zu hinterfragen

Genau hier liegt unser Schwerpunkt.

Spezialisierte Trainer mit zusätzlicher Fachkompetenz

Unsere Trainer verfügen nicht nur über eine fundierte hundefachliche Ausbildung, sondern auch über weiterführende Qualifikationen im Bereich psychischer Erkrankungen und tiergestützter Arbeit.

Das bedeutet:

  • Training wird nicht isoliert betrachtet
  • Verhalten des Hundes wird immer im Kontext der menschlichen Belastung eingeordnet
  • Rückschritte, Pausen und Anpassungen sind ausdrücklich Teil des Prozesses
  • der Schutz des Hundes hat jederzeit Priorität

Nicht jedes auffällige Verhalten ist ein Trainingsproblem – manchmal ist es ein Spiegel der Situation.

Keine Zielvorgabe, kein Label – sondern ein individueller Prozess

In unserer Arbeit gibt es:

  • keine festgelegte Zielprüfung
  • kein standardisiertes Abschlusszertifikat
  • kein Etikett, das erreicht werden muss

Stattdessen begleiten wir individuelle Entwicklungsprozesse von Mensch-Hund-Teams, deren Verlauf nicht vorhersehbar und nicht standardisierbar ist.

Gerade im Kontext psychischer Erkrankungen ist diese Offenheit essenziell.

Abgrenzung zum klassischen Hundetraining

Unsere Arbeit unterscheidet sich deutlich von herkömmlichem Hundetraining:

  • Der Fokus liegt nicht auf Leistung oder Funktion
  • Trainingsschritte werden kleinteiliger und langsamer aufgebaut
  • emotionale Sicherheit geht vor formaler Korrektheit
  • Trainingspausen sind kein Scheitern, sondern fachlich notwendig

Ziel ist nicht ein „funktionierender Hund“, sondern ein tragfähiger, fairer Alltag für beide Seiten.

Beratung heißt auch: Grenzen benennen

Ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit ist die ehrliche Reflexion.

Dazu gehört auch, klar zu benennen:

  • wenn ein Hund aktuell überfordert ist
  • wenn die Erwartungen an den Hund zu hoch sind
  • wenn andere Unterstützungsformen sinnvoller wären

Diese Gespräche sind nicht immer angenehm – aber sie sind notwendig, um Schaden zu vermeiden.

Abschlussabsatz

Wir verstehen unsere Arbeit nicht als Ausbildung zu einem Status, sondern als fachlich fundierte, sensible Begleitung von Mensch-Hund-Teams in herausfordernden Lebenssituationen.

Unser Anspruch ist es, Menschen ernst zu nehmen, ohne Hunde zu instrumentalisieren – und Hunde zu schützen, ohne menschliche Bedürfnisse zu bagatellisieren.


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